Simon-Petrus-Kirche

Simon-Petrus-Kirche in Habenhausen

Habenhauser Kirche

Simon-Petrus-Kirche

Die am dritten Advent 1995 eingeweihte
Simon-Petrus-Kirche mit dem dazugehörigen Gemeindezentrum liegt im Zentrum Habenhausens.

 

Orgel plus

Orgel plus

Orgel und Klarinette


Hyunjoo Na an der Metzler-Orgel
Jerzy Bojanowski - Klarinette

Simon-Petrus Carillon Hörprobe

Simon-Petrus-Kirche Innenraum

Hella Santarossa

Für das "Projekt Kirchenfenster" hat die Gemeinde die international renommierte Künstlerin Hella Santarossa gewinnen können. Zweifellos ein Image-Gewinn für unsere Kirche und unseren Stadtteil.
Hella Santarossa lebt in Berlin und New-York, Arbeiten von ihr sind u.a. im Reichstag in Berlin und in der bedeutenden Heidelberger Heiliggeistkirche zu sehen. Dort hat sie die im Krieg zerstörten Fenster neu gestaltet. Dabei hat sie die alte Methode der Bleiverglasung verlassen und ist zu ganz neuen Verfahren und Ausdrucksformen gelangt.
Nach einer ersten Kontaktaufnahme im Sommer 2000 hat die Gemeinde Frau Santarossa um Entwürfe für die Fenster der Simon-Petrus-Kirche gebeten.

Nordseite, drei Fenster, Ansicht von innen

An der Nordseite der Kirche boten drei Fenster früher einen Ausblick auf Straße und Parkplätze. Frau Santarossa hat, ausgehend vom Namen "Petrus" - das ist griechisch und heißt zu deutsch "Fels" - ein interessantes Werk entworfen, das so unterschiedliche Materialien wie Glas, Stein und Metall verbindet. Lavasteine formen einen großen Kreis, der die drei durch Mauerstürze getrennten Fenster zu einer Einheit zusammenbindet.

 

Südwestecke, zwei Tauffenster, Innenansicht

Hier, im Eingangsbereich der Kirche, steht das Taufbecken. Zwei neue Fenster akzentuieren diesen besonderen Ort innerhalb der ansonsten sehr schlichten Kirche. Rot und blau, symbolisieren sie das Wasser der Taufe, den geöffneten Himmel, die Liebe Gottes und das Feuer des Heiligen Geistes, das bei der Taufe die Gläubigen wärmt und zur Leidenschaft zu Gott entflammt.

 

Nordseite, drei Fenster, Ansicht von außen, Modell

Stärker als von innen, wird in der Außenansicht deutlich, wie die Steine in das Fenster eingearbeitet sind. Dabei ergibt sich eine erstaunliche Lichtwirkung. Man kann bei der Betrachtung der Fenster an den Urknall denken, oder auch daran, dass in einer Gemeinde die Menschen sich um ein gemeinsames Zentrum zusammenfinden, so dass Einheit und Vielfalt, Individualität und Gemeinschaft zugleich sichtbar sind.

 
 

Eine Orgel von 1942

Die Orgel der Simon-Petrus-Kirche wurde 1942 von der Firma Metzler für die katholische Kirche in Rafz in der Schweiz gebaut. Sie stand in der dortigen Kirche in einer Ecke auf der engen Empore und wies daher außer einer Seitenwand und der sehr einfachen Frontpartie praktisch kein Gehäuse auf.
Gut 50 Jahre lang tat sie in der Rafzer Kirche ihren Dienst. Im Jahre 1993 wurde sie schließlich abgebaut und durch ein neues Instrument der Firma Späth ersetzt. Aufgrund eines Hinweises des Orgelsachverständigen Prof. Baumgratz vom Bremer Dom ist ein Kontakt zur Firma Späth zustande gekommen, so dass die Orgel den weiten Weg in den hohen Norden antreten konnte. Für die Simon- Petrus- Kirche wurde sie von Grund auf überholt: Die Pfeifen wurden gereinigt, teilweise durch neue ersetzt und nachintoniert, die Mechanik wurde komplett neu überarbeitet, die Orgel erhielt einen neuen Motor, einen neuen Balg und vor allem ein neues Gehäuse aus Kirschbaumholz, das hervorragend auf den Kirchraum abgestimmt ist.

Die Disposition der Orgel:

I. Manual: 1.
2.
3.
4.
 
Prinzipal 8´
Rohrflöte 8´
Oktave 4´
Mixtur 2
 
II. Manual: 5.
6.
7.
8.

9.
 
Gedackt 8´
Prinzipal 4´
Gedeckte Flöte 4´
Sesquialter 2 2/3 ´
                    1 3/5 ´
Oktave 2´
 
Pedal: 10.
11.
 
Subbaß 16´
Gemshorn 8´
 

Das Glockenspiel ist ein Carillon

Das Glockenspiel der Simon-Petrus-Kirche ist mit 24 Glocken das Größte links der Weser. Insgesamt gibt es in Bremen nur in fünf Kirchen ein Glockenspiel oder Carillon: In St. Marien in Bremerhaven (kath.), in St. Magnus in Bremen-Nord, in der St. Martini-Kirche in der Altstadt, in der Kapelle des Großen Krankenhauses und eben in Habenhausen.

Ankunft der Glocken für das Carillon

Glockengießerei

Die Glocken sind in den Niederlanden bei der Fa. 'Petit und Fritsen' in Aarle- Rixtel bei Eindhoven aus reiner Glockenbronze gegossen. Die Glocken sind tonrein abgestimmt, von den drei größten Glocken C2 - D2 - E2 chromatisch bis zum G3. Die schwerste Glocke - C2 - wiegt 250 Kg, die leichteste - C4 - dagegen nur 18 Kg. Das Gesamtgewicht aller Glocken beträgt 1692 Kg.

 
Blick in den Glockenturm

Installation

Die Glocken eines Glockenspiels sind fest installiert, sie schwingen also nicht an einem Joch wie Läuteglocken. Der Ton wird statt dessen durch Bewegung des Anschlaghammers erzeugt. Das geschieht durch einen elektromagnetischen Impuls. Die Glocken C2 - D2 - und F2 bilden innerhalb des Glockenspiels eine Ausnahme. Sie können auch frei schwingen und bilden zusammen das Geläut, das zu den Gottesdiensten der Gemeinde einlädt.

 
Inschrift der größten Glocke

Inschriften

Drei Glocken tragen eine Inschrift. Die größte Glocke, die Festglocke, trägt sogar zwei. Deren erste lautet: Conserva Domine Hospitium Tuae Ecclesiae. Dieses lateinische Gebet heißt übersetzt: 'Bewahre, Herr, die Herberge deiner Kirche'. Es handelt sich um eine sehr alte bremische Inschrift, die bereits im 17 . Jahrhundert das Brückentor in der Innenstadt geziert hat, und die dann bis zum 2. Weltkrieg auf einer der großen Glocken des Bremer Doms zu lesen war. Diese Worte formulieren die Bitte an Gott, er möge die Stadt Bremen als einen Ort erhalten, in dem die Kirche, und mit ihr Menschen aus aller Welt, eine Herberge oder ein Zuhause findet.

 
 

Die anderen Aufschriften beziehen sich auf die Bedeutung der einzelnen Glocken als Fest-, Trauer- oder Gebetsglocke. Alle sind dem 145. Psalm entnommen. Auf der großen Glocke findet sich folgende weitere Inschrift: 'Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewig' aus Ps. 145, 1. Die Glocke D2 als Trauerglocke und Totengeläut ist mit der Inschrift versehen: 'Der Herr hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind' aus Ps. 145, 14.
Schließlich schmückt sich die Glocke E2 mit den Worten: 'Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewig' aus Ps. 145, 2.
Das Glockenspiel ist drei mal täglich zu hören, jeweils um 12, 15 und 18 Uhr wird eine Melodie aus dem Evangelischen Gesangbuch oder dem reformierten Psalter gespielt. Außerdem können diverse populäre Melodien und Volkslieder gespielt werden. Die drei Glocken des Geläuts begleiten die Gemeinde bei Freud und Leid, läuten die Sonntage ein und laden zum Gottesdienst ein.

Die Erweiterung zum Carillon im Jahre 2011

Zum 10-jährigen Jubiläum 2010 hat es mehrere Konzerte gegeben, in denen das Habenhauser Glockenspiel mit verschiedenen Chören und Musikinstrumenten zu hören war, unter anderem bei einem Jazzkonzert im Innenhof der Kirche. Daraus entstand der Plan, aus dem Glockenspiel ein Carillon werden zu lassen. Ein Carillon ist ein echtes Musikinstrument, das nicht nur automatisch programmiert, sondern auch live sinnvoll bespielt werden kann. In einem ersten Schritt wurde dazu der Tonumfang des Glockenspiels durch sechs weitere Glocken auf 2 Oktaven erweitert. 2 Oktaven werden allgemein als Mindestgröße für ein Instrument angesehen, das auch für Live-Konzerte benutzt werden kann. Das Habenhauser Carillon ist damit, mit nunmehr 24 Glocken, nach Bremerhaven und St. Magnus vom Tonumfang nach wie vor das drittgrößte Glockenspiel in Bremen, hat jedoch weit größere, und damit tiefere Glocken vor zu weisen.

 
 

Viele SpenderInnen und die Habenhauser Schaffergesellschaft haben innerhalb eines halben Jahres etwa € 20.000.- zusammengebracht. So konnten bereits am 17. Juni 2011 bei der Königlichen Glockengießerei Petit & Fritsen in Aarle-Rixtel bei Eindhoven sechs weitere Glocken gegossen werden. Es handelt sich dabei um die Dis2-Glocke im Fundament des Glockenspiels (ca. 150 kg, also deutlich schwerer und damit tiefer, als die größten Glocken in St. Magnus und Bremerhaven), und dann die kleineren Glocken im Anschluss an die bisher kleinste Glocke G3, also Gis3 (26 kg), A3 (24 kg), Ais3 (22 kg), B3 (20 kg) und C4 (18 kg). Für die große Glocke (€ 4.000.-) hat sich ein Einzelspender gefunden, der nicht namentlich genannt werden möchte. Ebenso haben Einzelspender die Kosten für die Glocken Gis3 (€ 1.014.-), A3 (€ 985.-) und C4 (€ 806.-) übernommen. Die Glocken Ais3 und B3 wurden durch verschiedene Spender bezahlt. Die Installationskosten für die Glocken in Höhe von etwa € 9.300.- überahm die Habenhauser Schaffergesellschaft. In die Erweiterung des Glockenspiels sind somit ausschließlich Spenden und keinerlei Kirchensteuermittel geflossen. Staatliche Zuschüsse gab es nicht.

Die neuen Glocken wurden am Freitag, 9. September 2011 von einer Delegation der Gemeinde in Aarle-Rixtel abgeholt und am selben Abend in Habenhausen mit Freibier und Blasmusik willkommen geheißen. Die offizielle Begrüßung der Glocken fand dann am Sonntag, 11.9. 2011, um 10 Uhr im Gottesdienst statt.

Glockenturm Simon-Petrus-Gemeindezentrum

 
 

In der Kirche befindet sich ein großes Altarkreuz, das Thomas Duttenhoefer 1997 für die Gemeinde geschaffen hat. Es ist aus Eisen (dem bescheidenen Material) gefertigt und lehnt hinter dem Altar an der östlichen Wand der Apsis.

Bei einer Höhe von 3, 27 m ist es 1, 55m breit. Seine warme Tönung hat es vom Edelrost, der das Werk überzieht.

 

Thomas Duttenhoefer hat ein expressives Kreuz geschaffen, das bei Betrachtung aus der Nähe zeigt, wie Christus gemartert, gefoltert, geschlagen, seine Haut und sein Fleisch aufgerissen sind durch brutale Gewalt. Er ist geradezu eins geworden mit dem Kreuz, dessen Balken seine eigene Kraft und Schwere verliert und eingeht in den Leib Christi und mit ihm zusammen in ein Bild von Schmerz und Leid verwandelt wird.

 

Der Herzarm ist ausgestreckt über den Querbalken. Die Hand weist nach oben, zum Himmel, zum Vater, auf seine eigene Herkunft und Zukunft. Das Ohr ist ausgerichtet auf uns und unsere Gebete.

 

Verhüllt ist sein Angesicht. Deutlich erkennbar ist die Struktur des Tuches, das über sein Gesicht gelegt ist. Wir wissen aus dem Johannesevangelium vom Tuch, das den Kopf des toten Jesus bedeckt. Jesus war wirklich tot. Und gerade dieses Tuch wird zum wesentlichen Indiz seiner Auferstehung. Simon Petrus und der Jünger, den Jesus liebhatte fanden es fein säuberlich zusammengelegt im leeren Grab. Nie hätten Grabräuber so viel Zeit gehabt, das Tuch abzunehmen oder gar zusammenzulegen.

 

Um beim Tuch zu bleiben: Uns Protestanten, den Reformierten zumal, ist die Abbildung Gottes untersagt. Weder Bilder noch Namen können Gott fassen. Deshalb darf im Alten Testament der Name Gottes nur umschrieben werden. Nun hat die Kirche bei Bildern Christi immer die Erläuterung gegeben: Man bilde ihn nicht nach seiner göttlichen, sondern nach seiner menschlichen Natur ab. Aber das kann man doch gar nicht trennen. Christus ist immer wahrer Gott und wahrer Mensch, erst recht am Kreuz.

Dies Tuch über dem Gesicht Jesu bewahrt den Betrachter, sich ein allzu klares, allzu einfaches, allzu glattes Bild von Jesus zu machen. Er wahrt sein Geheimnis. Vielleicht muß man auch anmerken, dass das verhüllte Antlitz die einzige Möglichkeit ist, heutzutage überhaupt noch einen Christus abzubilden, nach dem unsäglichen Jesus-Kitsch in Bildern und Filmen, der uns den blonden, blauäugigen, bärtigen Heroen in´s Hirn gebrannt hat. Dagegen kann man auch nicht einfach einen anderen Jesus setzen. Da ist Verhüllung wichtig.

Im Betrachten des Kreuzes haben Menschen von jeher nicht nur den Herrn, sondern auch den elenden Menschen gesehen. Den, der leidet. Der Betrachter/ die Betrachterin kann seine Bilder von Leidenden, Sterbenden, Toten, die er kennt, mitbringen und wissen, dass sich ihr Antlitz unter diesem Tuch verbirgt.

 
 

Ebenfalls aus mit Edelrost überzogenem Eisen, nimmt sie das Thema auf, das der Name der Kirche vorgibt: Simon- Petrus. Ihn hat Jesus als Ersten zu dem gemacht, was auch seine Nachfolger sein sollen: Zum Menschenfischer. Die Netzstruktur an der Kanzel weist darauf hin. Man kann es anfassen und berühren: Das Netz, mit dem Menschen gefangen werden sollen, ist etwas sinnliches. Dabei wölbt sich die Kanzel in Richtung auf die Gemeinde hinein wie der Bug eines Schiffes. Sie bricht aus aus Gradheit und Glätte, als ob sie dynamisch unter die Leute wollte und versinnbildlicht so das Evangelium, das nicht für sich bleiben kann.. Kein Thron, diese Kanzel, kein Ort, von dem herabgepredigt wird, aber doch auch sich selbst wichtig nehmend. Keine Spielerei, sondern Dynamik und Festigkeit in einem.

 

 

Diese 20 cm hohe Figur ist der Gemeinde vom Künstler im Jahr 2001 geschenkt worden. Wie Kreuz und Kanzel aus Eisen gegossen und mit Edelrost überzogen steht sie neben dem südlichen Eingang der Kirche vom Foyer her auf einer einfachen Unterlage aus Eisenblech. Das alte katholische Motiv der Mutter Jesu, die nach der Kreuzabnahme ihren toten Sohn beweint, hat so Eingang in eine evangelische Kirche gefunden. Jesus liegt ausgestreckt, mit deutlich erkennbaren Wundmalen an den Fußknöcheln, auf dem Schoß Mariens, die sich bergend- mütterlich über ihn beugt. So wird die Pieta dem Betrachter zum Sinnbild der Hoffnung, dass im Tode noch der Tote in Gottes Fürsorge aufgehoben ist. Gottes mütterliche Seite erschließt sich, dem Anbetenden zum Trost. Wieder hat Duttenhoefer mit dem verhüllten Antlitz gearbeitet: Das Gesicht der Mutter Gottes ist verborgen.

 

Die Simon-Petrus-Kirche beherbergt als jüngster Kirchbau der Bremischen Evangelischen Kirche einen alten Schatz: Die mittelalterliche Altarplatte aus der Arster Muttergemeinde. Sie ist etwa 750 Jahre alt. In katholischer Zeit hatte sie als Platte des Altars in der Arster St. Johannes- Kirche ca. 2 km südlich an der niedersächsischen Landesgrenze gedient, in der Zeit der sogenannten '2. Reformation' um 1580, als Bremen von der lutherischen zur reformierten Konfession wechselte, ist sie abgebrochen und seitdem als Fußbodenplatte innerhalb des Chorraumes der Kirche benutzt worden(1). Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1966 ist sie aus der Kirche entfernt worden und als Tischplatte eines Steintisches im Garten des Arster Gemeindehauses in Gebrauch gewesen, bis sie schließlich 1995 dort abgebaut, gereinigt und nach Habenhausen gebracht wurde.

Die Altarplatte besteht aus einer rechteckigen Sandsteinplatte von 189,5 cm Länge und 111,1 cm Tiefe. Die Platte ist 15,5 cm dick und wiegt ca. 800 kg. Sie zeigt verschiedene Bearbeitungs- und Beschädigungsspuren, die aus unterschiedlichen Zeiten und Gründen herrühren.

 

Auf der Oberseite der Platte sind fünf Weihekreuze eingemeißelt. Sie zeigen einen Durchmesser von 13,2 cm, das mittlere von 14,2 cm. Sie sind nicht genau symmetrisch angebracht. In der katholischen Kirche ist es noch heute üblich, die Altäre mit vergleichbaren Kreuzen zu versehen. Bei der Weihe werden sie mit Öl begossen, das dann entzündet wird. Symbolisch werden die Weihekreuze gedeutet als die fünf Wunden Christi. Sie sind der stärkste Hinweis darauf, dass wir es wirklich mit einer Altarplatte aus katholischer Zeit zu tun haben. Die Reformation wurde in Bremen und damit auch in Arsten offiziell 1534 eingeführt. Die Altarplatte ist also älter, als dieses Datum.

 

Bremen ging im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts allmählich von der lutherischen zur reformierten Ausprägung der Reformation über. 1581 wurde der reformierte Theologieprofessor Christoph Pezel aus Hessen-Nassau nach Bremen berufen, um die Bremische Kirche neu zu ordnen. Es begann 'die Umgestaltung der Gottesdienste im reformierten Sinne...Die Hochaltäre und Bilder wurden aus den Kirchen entfernt.'(2) 1583 erschien bei Arent Wessel ein Traktat, in dem Pezel die Entfernung der 'hültzernen und ganz ungestalten bilder und götzen' rechtfertigte (3). Anscheinend fielen diesem obrigkeitlich verordneten Bildersturm nicht nur Heiligenbilder und Kruzifixe, sondern auch Altarschmuck, Flügelaltäre und Retabeln , ja sogar die steinernen Altarplatten selbst, zum Opfer. 1595 schreibt Pezel nämlich rückblickend im Consensus Bremensis: 'Nuhn haben...viel Evangelische Kirchen...die Altarn gentzlich abgeschafft und brauchen an derselben statt bequeme tisch, mit gewandt oder tuch bedeckt, die da für und für an einer stedte gelassen, und darauff das Abendtmahl zu gebührender Zeit ausgetheilet wird'(4). Ihm selber ist es aber recht, wenn nicht gleich der ganze Altar abgerissen wird: '(so) lassen wir ... als ein stück der christlichen freyheit sein, das man nach abthuung des götzenwercks, das Mauerwerk der Altarn, als einen steinern tisch in den kirchen gebrauche...'(5). In vielen Kirchen war es für diese Großzügigkeit zu spät. Die Altäre waren bereits abgetragen. So auch in Arsten.

 
 

Arsten gehörte damals zu den Kirchen des bremischen Landgebiets. Weltliche und kirchliche Obrigkeit war der Bremer Rat, der mit Pezel eng zusammenarbeitete. Höchstwahrscheinlich hat man im Lauf der Jahre zwischen 1581 und 1595 den Arster Altar entfernt und seine Platte für die folgenden Jahrhunderte in den Fußboden verlegt. Möglicherweise im Jahr 1586, denn der Archivar Hermann Post vermerkt in seiner Chronik: „In diesem Jahr sind die päbstlichen altäre wovon noch hin und wieder unterschiedene in denen pfarrkirchen übrig geblieben, gantzlich weggethan.“(6). Man muß sich den Abbruch des Arster Altares übrigens nicht bilderstürmend-gewaltvoll vorstellen: Wahrscheinlicher ist, dass er stillschweigend, vielleicht bei einer Renovierung, entfernt wurde.

Im Jahre 1899 hat es eine große Renovierung der Arster Kirche gegeben, bei der die Altarplatte möglicherweise bearbeitet wurde. Sowohl die Kantenbearbeitung könnte aus dieser Zeit stammen, als auch die Beschädigung an der Rückseite des Steins, die so aussieht, als hätte man die Platte für die Verlegung im Fußboden (neu) eingepaßt.

 
 

Man sieht: Die Habenhauser Altarplatte hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und trägt deutlich sichtbar, die Spuren der Geschichte und Veränderungen der Bremischen Kirche.

  1. 1936 liegt sie nach einer Mitteilung des Arster Dorfchronisten Otto Mahnken immer noch dort. Mahnken hält sie übrigens für einen ganz altertümlichen Grabstein.(S.77)

  2. O. Wenig, Rationalismus und Erweckungsbewegung in Bremen, S.25

  3. Christoph Pezel, ...Notwendige entschüldigung..., Staatsarchiv Bremen, 2 – T.1.c.2.b.2.c.3.a.4.f.

  4. Consensus bremensis, 1.b.e.2, bei: E.F.K. Müller, Bekenntnisschriften der reformierten Kirche

  5. ebd., 1.b.e.3

  6. vgl. Notwendige entschüldigung

Seit dem 10.Mai 2004 hängt in der Simon-Petrus-Kirche ein Votivschiff. Votivschiffe finden sich seit Jahrhunderten in vielen Kirchen küstenanrainender Länder. Habenhausen und Arsten liegen direkt am Weserdeich. Zwei Wassersportvereine haben ihre Häfen ganz in der Nähe der Kirche. Auf der Weser werden Güter und Waren in Richtung der Seehäfen verschifft.
Zudem hat die Bremische Kirche für ihr Landesjugendpfarramt ein ehemals niederländisches seegängiges Plattbodenschiff gekauft, auf dem auch Gruppen der Gemeinde Arsten/Habenhausen schon häufig gesegelt sind und für das Gerd Vasmer aus Habenhausen einen der inzwischen erfahrensten Skipper stellt.
Grund genug für die Gemeinde, sich zu freuen, als der Modellbauer Thilo Wiechmann ihr anbot, ein Modell dieses Schiffes zu erstellen und zu schenken. Es soll dem Gedenken an die Seefahrenden dienen und zugleich das Projekt „Jugendschiff Verandering“ dem Schutz und der Güte Gottes anbefehlen.

Über das Schiff „Verandering“

Die Verandering wurde vom Landesjugendpfarramt der Bremischen Evangelischen Kirche für die Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen im Jahre 2002 von der letzten Eignerin Annette van Kleef gekauft. Sie teilt über die Geschichte des Schiffes folgendes mit:
„Die Verandering wurde als 2-Master für Watt- und Sundfahrt 1898 in Raamsdonkveer im Auftrag für einen deutschen Reeder gebaut. Ursprünglich hatte das Schiff ein elliptisches Heck.
1930 wurde das Schiff nach Groningen verkauft. Hier wurde wegen der Größe der Schleusen das elliptische Heck durch ein gerades ersetzt. Weiterhin wurde sie zum Einmaster umgebaut und mit einer Seitenschraube ausgerüstet. Die Seitenschraube wurde von einem, auf dem Vordeck befindlichen, Deutz angetrieben.
1950 wurde zusätzlich ein pressluftgestarteter 2-Zylinder-44PS MWM-Motor eingebaut. Der Motor steht noch heute in der Seefahrtschule Enkhuizen.

 

In diesem Zustand kaufte ein Ehepaar in den 70er Jahren das Schiff. Sie stellten mit viel Liebe den ursprünglichen Zustand wieder her und bauten die Verandering als Zweimaster mit Lukendeckeln und Persenning darüber aus. Der Laderaum wurde als Aufenthaltsraum für die Gäste hergerichtet, die Seitenschraube entfernt.
1978 wurde das Schiff verkauft und gelangte danach komplett in die Charterfahrt. Anfang der 80er wurde es wiederum verkauft. Durch die damaligen Eigner wurde begonnen, das Schiff an die mittlerweile geltenden Anforderungen und Regeln für die Watt- und Sundfahrt anzupassen. Dadurch konnte das Schiff, als eines von wenigen Plattbodenschiffen, weiterhin in seinem ursprünglichen Fahrgebiet verkehren. Der ursprüngliche Charakter des Schiffes wurde, soweit möglich, erhalten. In dieser Zeit wurde der pressluftgestartete Motor durch einen elektrisch gestarteten VOLVO-Motor ersetzt.

 

Anfang der 90er Jahre habe ich das Schiff gekauft. Bei allen Anpassungen und Erneuerungen, die zur Erhöhung der Qualität erforderlich waren und die sich ergaben aus den strengeren Anforderungen für Watt- und Sundfahrt(Fahrgebiet 1), wurde stets darauf geachtet, die Atmosphäre und den traditionellen Charakter des Schiffes zu erhalten.
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Geist einer verstorbenen Schifferfrau auf dem Schiff sein Unwesen treibt. Sie war nicht damit einverstanden, dass das Schiff jemals verkauft werden sollte. Für mich ist die Verandering ein Schiff mit einer Seele, die Respekt erwartet.“ 
Annette van Kleef

 
 

Die Stiftungsurkunde

 

Die echte Verandering,
trockengefallen in der Nordsee

 
 

Und ihr Modell in der Simon-Petrus-Kirche

Der Erbauer, Thilo Wichmann (links) und Pastor Jens Lohse bei der Vorbereitung zur Aufhängung des Schiffes

 
 

Thilo Wichmann unterschreibt die Stiftungsurkunde. Im Hintergrund Kirchenvorsteher Georg Wetjen.

 

Das Schiff wird mit vereinten Kräften
an seinen Ort gebracht

 

Letzte Handgriffe

Der fliegende Holländer über dem Altar

 
 
 

Tür Simon-Petrus-Kirche

Petrus wird gekreuzigt

Im Johannesevangelium, Kapitel 21,18 sagt Jesus zu Petrus: „Wenn du alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst.' Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. In der christlichen Tradition hat sich aus diesen Worten die Legende vom Kreuzestod des Petrus gebildet. Die Kunst hat diesen Tod oft dargestellt, berühmt ist z.B. das Bild von Caravaggio in Rom. Petrus wird dabei mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Bedeutung dieses Reliefs - auch wenn die Kreuzigung des Petrus legendär ist, so ist er auf jeden Fall einen Märtyrertod gestorben. Er, der so oft schwankend war, blieb am Ende fest und hielt stand. Er gab sein Leben, und verriet seinen Glauben nicht.

 

Der römische Hauptmann Cornelius und Petrus

In Apostelgeschichte 10 wird diese Geschichte erzählt. Über beiden ist ein Engel zu sehen, der ihre Begegnung veranlaßt hat und sie segnet. Etwas abseits stehen die Hausgenossen des Cornelius, die mit ihm zusammen getauft werden und den Heiligen Geist erhalten. Petrus überschreitet seine eigene religiöse Tradition, indem er einen Heiden in die Gemeinde aufnimmt. So steht dieses Relief symbolisch für die Offenheit der Kirche, über die Grenzen des Volkes und der Religion hinweg.

 

Petrus und Jesus im Garten Gethsemane

Hier gibt es viel zu sehen: Petrus mit dem Schwert in der Hand, Jesus, der sich ihm beruhigend zuwendet und ihn auffordert, das Schwert in die Scheide zu stecken. Im Hintergrund, unter Palmen, ein Mann, der sich die Hand über sein Ohr hält. Es ist ein Knecht des Hohepriesters mit Namen Malchus, der zu denen gehörte, die Jesus gefangen nahmen. Auf dem Boden liegt sein Ohr. Petrus hatte es abgeschlagen bei dem Versuch, Jesus zu retten. Die Geschichte wird u.a. berichtet im Evangelium des Johannes, Kapitel 18. Hier steht sie für die Vehemenz und den Einsatz für Jesus, aber auch für Unbesonnenheit.

 
 

Petrus wandelt auf dem Wasser und versinkt dann doch

(Matthäus 14,22) Im Hintergrund das Schiff, mit dem Petrus, zusammen mit den anderen Jüngern bei Sturm unterwegs gewesen war. Als sie Jesus auf dem Wasser kommen sehen, erschrecken sie fürchterlich. Petrus aber, im Übermut des Glaubens, will auf dem Wasser zu Jesus laufen. Doch als er die Wellen und den starken Wind sieht, bekommt er Angst und versinkt. Jesus aber hilft ihm auf. Dieses Relief steht für Petrus zwischen Glauben und Unglauben.

Die Verleugnung des Petrus (Matthäus 26, 69ff)

Man sieht Petrus im Hof beim Palast des Hohepriesters. Im Hintergrund der gefangene Jesus, umringt von Soldaten mit Hund, Gewehr,  Kampfstiefeln, Dolch. Einer hat die Ärmel aufgekrempelt. Petrus schaut weg. Rechts oben ein schreiendes Weib: „Du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa!'. Dreimal wird er so angesprochen, dreimal leugnet Petrus ab, Jesus zu kennen. Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören. 'Ich kenne den Menschen nicht!' Und alsbald krähte der Hahn. Diese Geschichte steht für die Bedrohung des Christen, für Angst und Furcht und Versagen.

 
 

Petrus mit Paulus

Petrus und die sogenannten Säulen geben Paulus auf dem Apostelkonzil in Jerusalem die Hand (Galaterbrief 2,9). Auch in der Urkirche machte die Ökumene Mühe und man verstand nicht, warum andere den Glauben ganz anders interpretieren, als man selbst. Petrus und die Apostel in Jerusalem waren sich sehr uneins mit Paulus und Barnabas, vor allem über Fragen des jüdischen Gesetzes. Man ging sich aus dem Weg und akzeptierte sich nur mit Mühe. Aber es gab doch in Jerusalem ein Zusammentreffen und eine Aussprache, bei der man sich die Hand gab. Man einigte sich, wenn auch unter Schwierigkeiten. Interessanterweise läßt Thomas Duttenhoefer auf seinem Relief Petrus und Paulus die Seiten tauschen: Petrus steht neben Barnabas (die beiden rechts), während Paulus bei Jakobus und Johannes, den Mitgliedern der Petrus-Fraktion (die drei links) steht. Duttenhoefer: Man kann sich nur dann wirklich verstehen, wenn man bereit ist, die Position des Anderen einzunehmen. Dieses Relief steht für die Ökumene und ihre Mühen.

Die Berufung des Petrus (Matthäus 4, 18ff)

Petrus wird von Jesus zur Nachfolge gerufen, als er gerade mit seinem Bruder Andreas zusammen Netze auswirft, denn er ist von Beruf Fischer. Jesus sagt: „Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!' Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm. Interessant ist, wie Duttenhoefer aus dem Fischerboot den Türgriff gestaltet hat.

 
 

Die Heilung des Gelähmten vor der Tür des Tempels (Apostelgeschichte 3)

Ein gelähmter Bettler bittet täglich um Almosen vor der Tür des Tempels. „Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh umher!' Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Knöchel und Füße fest, er sprang auf, konnte gehen und stehen... Interessant: Duttenhoefer hat den Gelähmten als Frau dargestellt. Seine Meinung: Frauenpower tut der Kirche not! (Duttenhoefer ist katholisch...)